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Schweizer Tierschutz zur Tötung von überzähligen Zootieren

Im Zuge der aktuellen Diskussion über die zwei Jungbären im BärenPark Bern tauschten sich kürzlich die Wildtierspezialisten Peter Schlup (Schweizer Tierschutz) und Marco Giacometti (Wildvet Projects) über die Tötung von überzähligen Wildtieren in Gehegen aus. Ausgangspunkt des Fachgesprächs war eine aktuelle Position des STS „Töten von Tieren in Zoos/Tieparks aufgrund von Platzmangel“. In dieser heisst es: „Der STS macht deutlich, dass er es grundsätzlich ablehnt, Wildtiere in Zoos und Tierparks zu töten, nur weil sie überzählig sind.“ Bei konservativer Interpretation könnte der Eindruck entstehen, die grösste Schweizer Tierschutzorganisation bekämpfe grundsätzlich die Tiertötung wegen Platzmangels. In Deutschland ist dies nämlich die gängige Positionierung aller Tierschutzorganisationen.

Peter Schlup präzisierte die Position des STS wie folgt: „Das "grundsätzlich" bezieht sich darauf, dass sich ein Tierpark grundsätzlich Gedanken über den Umgang mit seinem Nachwuchs machen muss. Er soll nicht einfach Nachwuchs zulassen mit dem Gedanken, dass er die überzähligen Tiere einfach töten kann. Es ist aber eine Tatsache, dass man Wildtiere nicht artgemäss halten kann, wenn man nicht dazu bereit ist, sie in kontrolliertem Mass fortzupflanzen zu lassen und danach auch bereit ist, die überzähligen Tiere abzugeben oder eben zu töten. Sonst müsste man konsequenterweise alle Zoos schliessen, aber auch alle Rassezüchter von Geflügel, Kaninchen, Pferden etc. verbieten.“

Bei der Berechtigung für das Töten von Wildtieren in der heutigen Gesellschaft spielen ethische Überlegungen eine Ausschlag gebende Rolle. Gerade auf dieser ethischen Ebene bewegt sich die Positionierung des STS zum Töten von Wildtieren in Zoos und Gehegen. „Für die getöteten Tiere ist es egal, ob sie Prädatoren verfüttert werden oder ob sie von Menschen gegessen werden. Wenn ein Tierpark Tiere der menschlichen Ernährung zuführt, soll er dies auch kommunizieren und dazu stehen“, so Peter Schlup in seinen aktuellen Ausführungen. Und weiter: „Mir ist es auf alle Fälle lieber, wenn Fleisch aus artgerechter Wildtierhaltung gegessen wird, als Fleisch aus intensiven Nutztierhaltungen ‐ diesen Tieren geht es hundertmal besser.“

Diese STS-Position zur Tötung von Tieren ist auch für die Jagd äusserst relevant. Aus dem Blickwinkel des Tierschutzes in der Schweiz geht es also einzig um das Wohlbefinden des Wildes zu Lebzeiten und um die Qualität des Erlegungsaktes. Nicht von Belang ist hingegen die Rahmenbedingung, ob das Wild von Berufswildhütern in Ausübung ihrer amtlichen Tätigkeit oder von Freizeitjägern erlegt wird. Und auch nicht, ob die Tötung zur Verhinderung von Wildschäden oder aus primärer Motivation der Nutzung erfolgt. Und schliesslich macht es auch keinen Unterschied, ob man eine Gemse, ein Schneehuhn oder einen Wolf erlegt. „Für mich gibt es keine Kategorien bei den Tieren. Bei allen gelten die gleichen Grundsätze und Überlegungen“, so Peter Schlup vom STS.

Geschäftsstelle von JagdSchweiz, 24.7.10


 
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