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Tagung „Rotwildüberwinterung“ in Vorarlberg

Auf Einladung der Vorarlberger Jägerschaft fand am 14. November eine aufschlussreiche Fachtagung zur Hirschüberwinterung statt. „Wir wollen uns das alles zuhören“, so Landesjägermeister Ernst Albrich zu den in Dornbirn in grosser Zahl erschienenen Jägerinnen und Jägern. Nicht der Zwang zu Strategiewechseln sei das Ziel der Tagung, sondern das grundsätzliche Nachdenken über die verschiedenen Möglichkeiten. Dies ist gelungen. Die Tagung entwickelte sich trotz des manchmal kontrovers diskutierten Themas in einer ausgesprochen sachlichen und emotionsneutralen Stimmung. Es wurde nicht nach Patentlösungen gerungen. Vielmehr kamen Vor- und Nachteile der in Österreich, Bayern, Liechtenstein und Graubünden zur Anwendung kommenden Strategien zur Sprache, was manch Einem zu einer neuen Standortbestimmung angeregt haben mag.

In Dornbirn wurde ein guter Überblick über die derzeit in den zentralen und östlichen Alpen zur Anwendung kommenden Überwinterungsstrategien des Rotwildes, mit und ohne Fütterung, geboten. Es ging von Überwinterungsbeispielen in einem bayrischen Nationalpark mit Winterfütterung über Grossfütterungen in der Steiermark bis zur Tristenlösung im Fürstentum Liechtenstein und zur Minimalvariante aus Graubünden. Die Vorarbeit von Tagungskoordinator Fritz Völk hat sich gelohnt: alle Referenten aus der Praxis hatten verstanden, dass es nicht darum gehen soll, die Anderen von der eigenen Lösung überzeugen zu wollen, sondern das eingesetzte Modell, mit Vor- und Nachteilen, vorzustellen. So wurden die einzelnen Beispiele meist ausgesprochen transparent und selbstkritisch vorgetragen.

Bestandesanpassung ist Voraussetzung
Die Zuhörerinnen und Zuhörer haben erkannt, dass die unterschiedlichen Rahmenbedingungen verschiedene Ansätze zulassen müssen und dass es vorab um Zielvorgaben geht. Diese richten sich nach den klimatischen Bedingungen, den Jagdrechtssystemen, den wirtschaftlichen Vorgaben, den Ansprüchen der Gesellschaft und der Grundeigentümer an den Wald sowie nach der Nutzung der Wildeinstände durch Erholungssuchende.
Von der Forschung kam der Hinweis, im Einstandsbereich von Winterfütterungen würden oft Wildschäden konzentriert entstehen. Die Problemlösung alleine auf die Optimierung der Fütterung auszurichten, sei aber nicht zielführend. „Auch die Anpassung des Wildstandes und forstliche Massnahmen sind gefragt; das Überwinterungskonzept darf niemals isoliert behandelt werden, da es nur Teil des Gesamtmanagements des Wildes ist“, so Friedrich Reimoser. Bei der Wildschadensvermeidung werde die Rolle der Fütterung oft überschätzt. Die Bestandeshöhe ist wichtiger; mangelnder Abschuss ist häufig der Grund für das Auftreten von Wildschäden und von erhöhten Fallwildzahlen.

Die Ansätze aus Graubünden und Liechtenstein
Nach Georg Brosi ist es in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft von zentraler Bedeutung, dem Wild Lebensraum zurück zu geben. Deshalb kommt in Graubünden der Ausscheidung von Gebieten mit periodisch befristeten Begehungsverboten (Ruhezonen) grosse Bedeutung zu. Ruhezonen sind auch als Instrument der Lenkung zu sehen, da sich das Wild gerne dort aufhält, wo es nicht gestört wird. Mit dem gewählten Modell der nicht-Fütterung muss in Graubünden der Wildbestand auf ein tieferes Niveau eingependelt werden. „Was Gemse und Steinwild können, kann das Rotwild auch“, so Brosi. Gleichwohl kann es in ausserordentlich harten Wintern zu einer erhöhten Fallwildquote kommen, wie dies kürzlich in Teilen des Kantons geschehen ist.
Felix Näscher zeigte beim Liechtensteiner Tristenkonzept im Sinne einer Notfütterung auf, dass die grossräumigere Verteilung des Rotwildes nicht durch Vorlage zu attraktiver Futtermittel beeinflusst werden darf. Rotwild soll dort überwintern, wo das Klima günstig ist, die Geländeform geeignet ist, die Einstände gut sind und Ruhe vorherrscht. In diesem Land, in dem die Behörde über die Nutzung des Wildes und des Waldes verfügen kann, ist man von einer intensiven Winterfütterung weg gekommen. Diese früher angewandte Praxis ist ersetzt worden durch die Notfuttervorlage in der zweiten Winterhälfte. Näscher sagte: „Extreme Winterbedingungen können durch die Notfuttervorlage von Magerheu überbrückt werden“.

Die wichtige Rolle des Dialogs
Was an der Dornbirner Tagung zum Teil offen geblieben ist, sind Beweise für die Einhaltung von Zielvorgaben, einzelne Begriffsdefinitionen (Stichwort „Notfütterung“) und Massnahmenkonzepte bei unkontrollierten Wildlenkungen durch behördlich nicht bewilligten Kleinfütterungen und bei ausserordentlich strengen Wintern. Die künstliche Anbindung von Rotwild in hoch gelegenen, schneereichen Tälern durch die Tolerierung von falsch platzierten und ungenügend betriebenen Fütterungsstandorten ist nämlich unerwünscht. Nicht nur im Bereich der Kommunikation ist die enge Zusammenarbeit zwischen den Behörden und der Jägerschaft notwendig. Auch bei der Erarbeitung von Überwinterungsstrategien macht es Sinn, die Zielvorgaben und die Massnahmen miteinander zu diskutieren. „Die Umsetzung von Massnahmen liegt bei den Menschen, dies erfordert Akzeptanz“, wie Friedrich Reimoser in seinen Schlussfolgerungen erinnerte.

JagdSchweiz, 17.11.09
 
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